Modellauswahl und Praxistipps

Auswahlkriterien

Nach welchen Gesichtspunkten sollte ich ein Rettungsgerätemodell wählen?

Je nach Einsatzzweck (Gleitschirm, Drachen, Motorschirm, Trike, Hike & Fly usw.) bietet unsere riesige Produktpalette für jeden Piloten und Geldbeutel das richtige Modell in der richtigen Größe.

Ein Rettungssystem ist als langfristiges Investitionsgut zu sehen, das man sich in 12 Jahren nur einmal kauft. Im Fall des Falles ist es die letzte Chance, Dein Leben zu retten.

Aus diesen Gründen legen wir Jedem ans Herz, sich am technischen Optimum bei der Geräteauswahl zu orientieren. Ein eventueller Mehrpreis sollte im Interesse der eigenen Sicherheit nur eine untergeordnete Rolle spielen, da es sich, auf 10 Jahre verteilt, effektiv nur um wenige Cent pro Monat handelt!

Ist eine Rundkappe oder eine Kreuzkappe die bessere Wahl?

Alle unserer Rundkappenmodelle haben sich in zahlreichen Notöffnungen über Jahre bewährt! Auch heute noch sind sie ein hervorragender Kompromiss zwischen Gewicht, Performance und Preis.

Allerdings zeigen unsere Kreuzkappenmodelle in Bezug auf Öffnungszeit, Pendelstabilität und niedriger Sinkrate eine deutlich höhere Performance, als die klassischen Rundkappenmodelle. Da ein Rettungsgerät ein sehr langlebiges und wertstabiles Produkt ist, sollte im Hinblick auf die Lebensdauer von über 10 Jahren immer die technisch beste Lösung gewählt werden. Denn ein höherer Anschaffungspreis fällt, gemessen an der Lebensdauer des Geräts, nicht schwer ins Gewicht!

Daher empfehlen wir klar die Anschaffung einer Kreuzkappe. Die Vorteile liegen auf der Hand!

Welche Größe ist die richtige? Soll ich lieber ein größeres Gerät wählen?

"Im Zweifelsfall eine Nummer größer als notwendig" ist bei independence-Rettungsgeräten seit jeher unnötig.

All unsere Rettungssysteme sind so ausgelegt, dass die Geräte bei geringen Sinkraten problemlos bis zur maximal zulässigen Anhängelast sicher zu benutzen sind.

Speziell bei den Kreuzkappensystemen empfehlen wir sogar, dass die maximale Anhängelast weitgehend ausgenutzt wird. Die Leistungsdaten sind bei diesen Geräten so gut, dass wenn die Anhängelast nicht ausgenutzt wird, die Sinkrate eher zu gering und die Airtime bei einer Benutzung zu groß wird (siehe „Wie kann ich die Angaben der Sinkgeschwindigkeit mir besser vorstellen?“).

Der DHV empfiehlt Rettungsgeräte nicht bis zum maximal zulässigen Gewichtsgrenze zu benutzen, sondern 20% darunter zu bleiben. Ist das sinnvoll?

Ja und Nein! Wenn ein Rettungssystem lediglich eine LTF-Zulassung besitzt und unter Ausnutzung der maximal zulässigen Sinkrate von 6,8 m/s zugelassen wurde, ist das sehr sinnvoll!

Jedoch haben nach EN12491 zugelassene Geräte bereits eine deutlich reduzierte maximale Sinkgeschwindigkeit von nur 5,5 m/s. Hier wurde diese Empfehlung durch die geringere maximale Sinkgeschwindigkeit abgedeckt und ein weiterer Abzug ist nicht nötig.
Speziell die idependence-Kreuzkappensysteme unterschreiten diesen verschärften Normwert von 5,5 m/s nochmals deutlich (siehe „Wie kann ich die Angaben der Sinkgeschwindigkeit mir besser vorstellen?“)!

Wie kann ich mir die Angaben zur Sinkgeschwindigkeit besser vorstellen?

Bei Rettungsfallschirmen sind je nach Bauvorschrift 2 verschiedene Sinkgeschwindigkeiten zulässig. Gemäß LTF sind dies 6,8 m/s und nach der strengeren EN12491 nur 5,5 m/s.
Jedoch haben die wenigsten von uns einen Bezug dazu, welche Sprunghöhe das jeweils bedeutet!

Es gibt eine einfache Faustformel zur Umrechnung von der Sinkgeschwindigkeit in m/s zu einer fiktiven Absprunghöhe: (v * v) / 2

Daraus ergeben sich folgende Sprunghöhen:

Sinkrate Sprunghöhe Bemerkung
10 m/s 5,00 m  
6,8 m/s 2,31 m = LTF Grenzwert (entspricht 24,5 km/h!!!)
5,5 m/s 1,51 m = EN Grenzwert
5,0 m/s 1,25 m = typische Werte bei max. Zuladung Ultra Cross, Evo Cross
4,5 m/s 1,01 m
3,0 m/s 0,45 m
Wie wichtig sind Öffnungszeit, Pendelstabilität und eine niedrige Sinkrate?

Das allerwichtigste Kriterium für Rettungssysteme ist eine geringe Öffnungszeit!
Uns wird fast ausschließlich von Rettungsöffnungen in sehr geringer Höhe (deutlich unter 100m) berichtet. Meistens vergehen nur wenige Sekunden von der Aktivierung bis zum Bodenkontakt.

Das zweitwichtigste Kriterium ist die Pendelstabilität!
Wenn ein Rettungssystem während der Sinkphase pendelt, schwankt die effektive Sinkgeschwindigkeit sehr stark. Zudem können sich beim Auftreffen auf den Boden im ungünstigen Fall Sinkgeschwindigkeit und die Geschwindigkeit des horizontalen Pendelns addieren. Dies kann zu Auftreffgeschwindigkeiten im Extremfall von weit über 10 m/s führen obwohl die reine Sinkgeschwindigkeit von Beispielsweise nur 5 m/s beträgt!

Das drittwichtigste Kriterium ist die Sinkrate!
Je geringer die Vertikalgeschwindigkeit ist, desto geringer fällt auch die Scherenstellung zwischen Rettungssystem und Gleitschirm aus. Der Gleitschirm kann dann durch die geringe Sinkrate nämlich nicht mehr so viel Auftrieb zur Seite entwickeln und eine Scherenstellung verursachen.

Kann ein bestehendes Rettungsgerät von Gleitschirm- auf Drachenversion umgerüstet werden oder umgekehrt?

Eine Umrüstung ist durch den Austausch der Verbindungsleine jederzeit möglich. Allerdings ist dies mit Kosten verbunden, die sich wirtschaftlich nur bei neueren Rettungssystemen lohnen.

Ich bin Drachenflieger. Welches Rettungsgerät empfehlt Ihr?

Für Drachenpiloten empfehlen wir je nach Abflugmasse entweder den Annular EVO 22 oder Annular EVO 24 als Drachenversion, in die ein Rotor eingebaut ist. Dieses Rettungsgerät stellt aus unserer Sicht für Drachenpiloten den optimalen Kompromiss aus Performance, Gewicht und Preis dar.

Gibt es eine Kombi-Rettung für Drachen und Gleitschirm, die ich für beides verwenden kann?

Nein. Die Rettungssysteme unterscheiden sich zwar „nur“ in der Länge der Verbindungsleine, jedoch ist beim Drachenfliegen eine lange Verbindungsleine erforderlich. Diese Länge sollte die Halbspannweite des Drachen nicht unterschreiten, um Beschädigungen des Rettungssystems durch den Drachenflügel zu vermeiden.

Gleitschirmsysteme hingegen haben, um die Öffnungszeit zu minimieren, eine sehr kurze Verbindungsleine.
Eine temporäre Verlängerung der Verbindungsleine ist nicht empfehlenswert, da dies mit einem relativ großen Aufwand verbunden wäre. Neben dem Einsetzen eines Verlängerungsstückes wäre zudem ein zeitaufwendiges Umpacken von Gleitschirm- zum Drachengurtzeug und zurück notwendig.

Brauche ich als Drachenflieger einen sogenannten Rotor?

Generell empfehlen wir den Einbau eines Rotors! Die häufigste Ursache für eine Rettungssystem-Aktivierung beim Drachen ist ein Gerätebruch. Folge davon ist sehr häufig ein rotierender Drachen, der je nach Rotationsgeschwindigkeit und verbleibender Resthöhe die Fallschirmkappe zudrehen kann. Ein Rotor verhindert dies wirkungsvoll.


Kann mein Rotor von meinem alten Rettungsgerät in ein neues Drachenrettungsgerät eingebaut und weiter verwendet werden?

Ja, kann er! Die Lebensdauer ist laut dem Hersteller der Rotoren nicht begrenzt. Der Einbau in das neue Rettungssystem darf jedoch nur von uns vorgenommen werden.

Fragen & Antworten zur Anwendung

Was ist während einer Notauslösung zu beachten?

Die Engländer sagen: „if you are in doubt – throw it out“. Das ist erst mal der wichtigste Grundsatz!

Wenn eine Situation ungut ausschaut und man nicht mehr viel Höhe hat, sollte der Entschluss das Rettungssystem zu aktivieren nicht mehr hinausgezögert und sofort umgesetzt werden. Ist dieser Entschluss gefasst, muss das Rettungsgerät mit Schwung und keinesfalls zögerlich in den freien Luftraum geschleudert werden.

In geringer Höhe auf jeden Fall zuerst im Gurtzeug aufrichten und den Blick auf den Boden richten. Nur wenn man noch genug Zeit und Höhe hat, versuchen, den Gleitschirm möglichst über das symmetrische Ziehen der C-Tragegurte fluguntauglich zu machen.

Kann ich die Öffnungszeit beeinflussen?

Ja! Konstruktiv haben wir im Zehntelsekundenbereich alles getan, um die Öffnungszeit positiv zu beeinflussen. Jedoch hat der Pilot durch entschlossenes, richtiges Werfen des Rettungssystems sehr viel Einfluss auf die Öffnungszeit. Dies kann unter Umständen bis zu mehreren Sekunden betragen!

Optimalerweise wird das Rettungsgerät mit viel Schwung vom Piloten in den freien, entgegen der Flugrichtung liegenden Luftraum, geworfen. Dadurch kann sich das System schnell strecken und liegt im freien Luftstrom.
In Drehbewegungen sollte versucht werden den Rettungsschirm so zu werfen, dass nach einer vollständigen Drehung das Rettungssystem nicht vom Gleitschirm erfasst wird (Retterfraß).

Zögerliches Werfen, fallenlassen, werfen in die falsche Richtung oder werfen in ein Hindernis kann die Öffnung stark verzögern oder sogar verhindern.


Muss ich meinen Hauptschirm für eine richtige Funktion der Rettung nach einer Öffnung abtrennen?

Nein! In über 90% der uns bekannten Fälle wäre ein Abtrennen aufgrund der geringen Höhe zeitlich sowieso nicht mehr möglich. Wenn genug Zeit und Höhe verbleiben, ist es von Vorteil den Gleitschirm durch symmetrisches ziehen beider C-Tragegurte in einen stabilen Zustand zu bringen.


Wie oft muss mein Rettungsgerät neu gepackt werden?

Wie in der Betriebsanleitung beschrieben, muss das Rettungsgerät spätestens alle 12 Monate gelüftet und neu gepackt werden. Sollte das Rettungsgerät feucht geworden oder ein anderer Umstand eingetreten sein, der die Betriebstüchtigkeit beeinflussen kann, muss das Rettungsgerät in jedem Fall gelüftet und neu gepackt werden.



Kann ich mein Rettungsgerät selbst packen?

Kann man! Alle unsere Rettungssysteme werden mit einer detaillierten Betriebsanleitung ausgeliefert, die es ermöglicht, das Gerät selbst zu packen.
Allerdings: Bitte nur selber packen wenn man es wirklich kann. Wir bekommen regelmäßig von sogenannten „Selbstpackern“ Rettungssysteme zu sehen, die mit Sicherheit nicht oder nur sehr verzögert geöffnet hätten.

Kann ich auch eine andere Packmethode als in der Betriebsanleitung verwenden?

Nein! Die in den Betriebsanleitungen gezeigte Packmethode ist die optimale Packmethode, um eine schnelle Öffnung zu gewährleisten. Diese Packweise hat sich in vielen Versuchen bewährt und wurde bei der Musterprüfung angewendet.

Welche Gummiringe müssen bei einer Neupackung verwendet werden?

Beim Packen dürfen nur von uns freigegebene Gummiringe verwendet werden, um eine optimale Funktion und Haltbarkeit zu gewährleisten. Wir haben festgestellt, dass Gummiring leider nicht Gummiring ist und es große Qualitätsunterschiede gibt. Der Bezug dieser Gummiringe ist kostengünstig zum Beispiel in unserem Shop möglich.

Muss ein Rettungsgerät genau wie ein Gleitschirm überprüft werden?

Ja. Alle 24 Monate ist eine komplette Sichtkontrolle aller Bauteile vorgeschrieben. Die Sichtkontrolle muss von einer sachkundigen Person durchgeführt und bestätigt werden. Es ist nicht zwingend, dass diese Überprüfung bei uns durchgeführt wird.

Wer baut mir mein Rettungsgerät ins Gurtzeug?

Die Erstkombination von Gurtzeug und Rettungssystem muss von einer sachkundigen Person durchgeführt werden (Kompatibilitätsprüfung) und ist im Pack- und Prüfnachweis des Rettungsgerätes zu bestätigen. In der Regel erfolgen Einbau und Kompatibilitätsprüfung beim Fachhändler.

Schlaufe ich die Verbindungsleinen von Gurtzeug und Rettungssystem ein oder muss ein Verbindungsglied verwendet werden. Wenn ja, welches?

Es gibt Vor- und Nachteile für beide Möglichkeiten! Wenn die Verbindung richtig ausgeführt wurde sind beide Arten der Verbindung möglich und technisch gleichwertig.

Bei Sicherheitstrainings wird allerdings immer öfter verlangt, dass ein Verbindungsglied verwendet wird, um in einer Notsituation im Wasser den Rettungsschirm schnell und beschädigungsfrei vom Gurtzeug lösen zu können. Bei der Verwendung eines Verbindungsglieds muss auf eine Mindestfestigkeit von 2400 daN geachtet werden.
Dies ist zum Beispiel bei einem ovalen Maillon Rapide Verbindungsglied der Größe 7 der Fall. Achtung: es gibt sehr große Festigkeitsunterschiede zwischen zertifizierten Verbindungsgliedern (z.B. Maillon Rapide) und Baumarktware. Flugkarabiner o.ä. sind aufgrund des Verschlussmechanismus nicht zu empfehlen.

Wie viel Jahre kann man ein Rettungsgerät nutzen?

Die Betriebsdauer beträgt bei independence-Rettungssystemen, wie allgemein üblich, 10 Jahre. Durch eine jährliche Nachprüfung kann die Betriebsdauer in der Regel auf bis zu 12 Jahre verlängert werden.

Wie oft kann ein Rettungsfallschirm „benutzt“ werden?

Bei der Musterprüfung wird dasselbe Rettungssystem 3-mal innerhalb der zulässigen Betriebsgrenzen (max. Auslösegeschwindigkeit und max. Anhängelast) auf Bruch getestet. Diese extremen Belastungen sind nicht mit einem „normalen“ Gebrauch zu vergleichen, da hier in der Regel nur ein Bruchteil der Belastungen auftritt. Daher ist ein Rettungssystem problemlos mehrfach verwendbar. Allerdings muss nach einer Not- oder Testöffnung das Rettungssystem komplett überprüft werden (siehe: Was ist nach einer Test- oder Notöffnung zu beachten?).

Bei meinem Gurtzeug wurde ein Innencontainer mit Griff mitgeliefert. Kann ich diesen mit independence-Rettungsfallschirmen verwenden?

Selbstverständlich! Hierzu muss allerdings die Betriebsanleitung des Gurtzeuges beachtet werden.

Wie lagert man das Rettungsgerät bei längerem Nichtgebrauch?

Das Rettungsgerät sollte trocken und bei Raumtemperatur gelagert werden. Es ist in jedem Fall vor UV-Strahlung zu schützen.

Mein Rettungsgerät ist bei einer Wasserlandung nass geworden. Wie trockne ich es richtig?

Ganz wichtig ist, dass das Rettungsgerät niemals in der Sonne getrocknet wird! Am besten wird es am Scheitel aufgehängt in einem sauberen, gut belüfteten Raum so lange aufgehängt, bis auch die Leinen vollständig durchgetrocknet sind.

Ist das Rettungsgerät durch eine Landung im Meer mit Salzwasser in Kontakt gekommen, muss es schnellstmöglich mit sehr viel Süßwasser gespült werden. Zur einen weiteren Verwendung des Rettungsgerätes muss sichergestellt sein, dass auch letzte Salzreste entfernt sind, da bei einem eventuellen Verbleib im Gewebe die harten Salzkristalle eine mechanische Beschädigung und damit Schwächung des kompletten Systems darstellen.

Mein Rettungsgerät ist beschädigt. Kann man es reparieren? Wenn ja, wer?

Ein Rettungsgerät wird in der Regel nicht bei einer Öffnung, sondern am Boden beschädigt! Dies kann nach einer Notöffnung leicht bei der Bergung durch Hängenbleiben (Baum, Fels, spitze Gegenstände) geschehen. Auch sollte man bei Turnhallentrainings aufpassen, dass das Rettungsgerät nirgends hängen bleibt und beschädigt wird.
Ist das Rettungsgerät beschädigt, muss es beim Hersteller sachgerecht repariert werden.

Weitere Informationen zu Rettungsgeräten

Viele FAQ sowie weiterführende Informationen zu Auswahl und Handling von Rettungsfallschirmen:

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